Die Presse über LINCK

Reibungsloser Umbau

40 Stämme pro Minute schafft die Rundholzzubringung mit zwei Aufgaben

Bogenfolgend im Nachschnitt möglich

Seit November 2010 ist die neue Profilierlinie von Linck bei Rettenmeier in Ramstein/DE in Betrieb. Mit dem Neustart wurde von einem Onlineeinschnitt zur „traditionellen“ Verarbeitung mit Rundholz-Vorsortierung umgestellt. Die neue Linie funktioniert quasi wie ein Duracell-Hase: sie läuft und läuft und läuft … 

Im Frühjahr 2010 wurde die neue Profilierlinie von Rettenmeier bestellt, im August begannen die Installationen, seit 8. November wird produziert. Der rasche Umbau bedingte eine sehr genaue Planung, gute Maschinen und tatkräftige Mitarbeiter. „Ich hatte mit Karl Braun auf den besten Monteur von Linck bestanden“, erzählt Rettenmeier-Prokurist Thomas Schäfer schmunzelnd. Mit seiner langen Erfahrung hat er sich der Technik und Planung verschrieben und beim Umbau viele Ideen eingebracht.„Insgesamt hatten wir nur zehn Wochen Stillstand“, informiert Geschäftsführer Ernst Reuschl. Die neuen Anlagen passten im Wesentlichen auf die vorhandenen Fundamente der ursprünglichen Starkholzlinie – damit waren keinen baulichen Maßnahmen mehr notwendig. Außerdem wurde sehr lange noch mit der in der selben Halle installierten, bisherigen Schwachholzlinie geschnitten. Diese steht aber seit der Inbetriebnahme der Linck-Profilieranlage aufgrund der hohen Einschnittskapazität seit September still. Zopfdurchmesser von 10 bis 55 cm können mit der neuen Einschnittlinie verarbeitet werden. „Der durchschnittliche Zopfdurchmesser liegt bei uns bei 25 cm“, schätzt Reuschl.  

Der Herr über den 128 m-Koloss:
Ein Mitarbeiter steuert und überwacht die gesamte Spaner-Profilierlinie
Aus rund mach‘ eckig:
erstes Spaneraggregat VM50 mit Einzugswerk EV50 und nachfolgender Drehvorrichtung

Bis 40 Stämme pro Minute gefordert. Rettenmeier kauft für Ramstein Lang- und Kurzholz. Durch die Umstellung auf den traditionellen Einschnitt wurde ein neuer Springer Rundholzplatz errichtet. Die Stämme werden ausgeformt und entsprechend der Dimension und Holzart absortiert und zwischengelagert. In Ramstein gelangen Abschnitte von 2,5 bis 5,5 m zum Einschnitt. Durch die hohe Leistung der Profilierlinie musste die bestehende Rundholz-Zubringung umgestaltet werde: „Die früher zwei separaten Aufgaben wurden zu einer vereint. Trotz einer Zuführung kommen wir auf eine Leistung von 40 Stämmen pro Minute“, führt Schäfer aus. Das Holz kommt in beliebiger Ausrichtung (Zopf oder Stock voraus) zum Einschnitt. Am Blockzug – noch außerhalb der Sägehalle – werden die Stämme das erste Mal mit dem Dishape von Microtec vermessen. Zu starkes oder schwaches Holz wird in eine Abwurfbox ausgeschieden. Über eine erneute 3D-Vermessung wird der Stamm exakt nach Länge, Durchmesser und Krümmung vermessen. Die Daten übermittelt Microtec an die Linck-Optimierung. Diese errechnet den bestmöglichen Einschnitt für Haupt- und Seitenware. Mit dem Spanereinzug EV50 wird das Rundholz automatisch entsprechend den Vermessungsdaten eingedreht – beim ersten Spaner mit der konkaven Seite nach oben. Der Spaner VM 50 ist mit Stufenmesserköpfen ausgestattet. Sie können mit Schlichtmessern oder Sägeringen bestückt werden. Erzeugt wird ein Model, das mit der Drehvorrichtung DV70-2 um 90° gedreht wird. Sie ist zur Erreichung einer hohen Taktzahl mit zwei unabhängig voneinander drehenden Rotoren ausgestattet, informiert man bei Linck. 

Die beiden Spaner haben die Deckflächen erzeugt,
hier werden diese für die Optimierung nochmals vermessen
Das profilierte Kantholz wird exakt ausgerichtet,
bevor mit der Doppelwellen-Kreissäge MKV
Haupt- und Seitenware aufgetrennt werden

Einschnitttechnik perfektioniert. Beim zweiten Spanereinzug ist eine Modeloptimierung installiert. Die Model werden entweder zentriert oder je nach Form außermittig, diagonal oder für den bogenfolgenden Einschnitt ausgerichtet. „Letzterer war für uns ausschlaggebend. Wir verarbeiten überwiegend Rotholz, das selten gerade ist. Da macht sich diese Technik bemerkbar. Durch den bogenfolgenden Einschnitt können wir die Ausbeute um 1 bis 3 % erhöhen“, berichtet Reuschl. Nach dem Nachschnittspaner dreht eine zweite Drehvorrichtung die Kanthölzer erneut um 90° – damit wird ein eventuell vorhandener Bogen wieder „aufgestellt“. Eine zweite 3D-Vermessung vermisst die vier Deckflächen für die Seitenwarenoptimierung sowie die Bogenhöhe für den Nachschnitt. Aus diesen Daten werden die optimalen Seitenwarendimensionen nach Wert berechnet. Bei definierter Seitenwarenstärke können Breite und Lage im Holz variieren. Diese wird an den unmittelbar hintereinander aufgestellten Profilieraggregaten VPF und VPK eingestellt. Bis zu vier Seitenbretter können profiliert werden. Die Seitenbretter werden mit dem Sägeaggregat CSMK 375-A2/B2 abgetrennt und vom Kantholz separiert. „Das Rundholz wird laut Bundeswaldinventur stärker. Auf diese ,erhöhten Anforderungen‘ können wir reagieren“, erläutert Schäfer. „Wir haben im Konzept berücksichtigt, den Platz für ein drittes Fräsaggregat zu lassen. Beim derzeitigen Durchmesserspektrum, das wir beziehen, reicht die jetzige Anlagenkonstellation aber völlig aus. “ Das verbleibende Kantholz gelangt zur dritten Drehvorrichtung, um den Bogen seitlich zu legen. In der nächsten Maschinengruppe – ebenfalls bestehend aus VPF und VPK – werden die nächsten Seitenbretter erzeugt. Im Nachschnitt sind die beiden Aggregate jedoch getrennt aufgestellt, um den bogenfolgenden Einschnitt zu ermöglichen. Das Kantholz wird mit den Vorzentriereinheiten so ausgerichtet, dass es tangential zu den Werkzeugen geführt wird. Ein am Nachschnittspaner erzeugter Bogen werde laut Linck in den Profilieraggregaten kopiert. In der Doppelwellen-Kreissäge MKV werden in einem Arbeitsschritt Seiten- und Hauptware aufgetrennt. Nach Separierung der Seitenware kann die verbleibende Hauptware bei Bedarf mit der Horizontalkreissäge HKM zu Kreuzholz verarbeitet werden. „Diese Säge setzen wir in der Regel ab einem Zopfdurchmesser von 27 cm ein“, weiß Reuschl. Die Vorschubgeschwindigkeit kann bei der Linck-Profilierlinie zwischen 50 und 160 m/min – je nach Rundholzdurchmesser – frequenzgeregelt werden. „Im Durchschnitt betreiben wir die Linie mit 100 m/min“, meint Reuschl. Mit der Abwicklung durch Generallieferant Linck ist man bei Rettenmeier sehr zufrieden. Die Inbetriebnahme klappte tadellos. Im Moment findet sporadisch die Feinjustierung statt, um das Beste aus Holz und Sägelinie herauszuholen.

Vielfältige Sortiermöglichkeiten: Seitenware wird zuerst ins Seitenwarensortierwerk abgezogen (1), parallel dazu Ausschleusen der Hauptware (2) oder die Ware geht ins neue Sortierwerk (3) – hier können Haupt- und Seiteware sortiert und gestapelt werden

Dreifache Sortiermöglichkeit. Haupt- und Seitenware gelangen getrennt in zwei bestehende Sortierwerke. Diese wurde um die Springer-Paketierung erweitert. Mitte Mai ging ein drittes Sortierwerk in Betrieb – ebenfalls von Springer. „Hier war meine Bedingung, dass wir diese sowohl mit der Haupt- als auch Seitenware beschicken können. Außerdem wurde eine Fremdaufgabe für die Nachsortierung der Trockenpakete installiert“, informiert Schäfer. Hierbei ist die Besonderheit, dass das Schnittholz von der Nachsortierung ebenso auf eine der beiden bestehenden Sortierwerke geschleust werden kann. „Diese Lösung haben wir angedacht. Sie kann sehr leicht nachgerüstet werden“, ergänzt Schäfer.

Mitten im größten Waldgebiet. Die Entscheidung für Ramstein fiel bei Rettenmeier 2007. „Das Areal ist günstig gelegen – mitten im größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands“, weiß Reuschl. Den Einkaufsradius für Rundholz macht er mit 150 km fest – Hunsrück, Pfälzer Wald, Odenwald, Nordschwarzwald und teilweise bis Belgien oder Frankreich. Die Holzarten und die Schnittholzsortimente variieren saisonal: Im Moment ist man in Ramstein mit Douglasie, Kiefer und Lärche sehr stark auf Gartenholz fokussiert. Im Sommer steht die Fichte wieder mehr im Mittelpunkt. Das gesamte Schnittholz wird bei Rettenmeier getrocknet. Dabei setzt man auf die Technik der Kanaltrockner. Neben dem Sägewerk ist in Ramstein ein Hobelwerk für sämtliche Sortimente in Betrieb. Die Hobelspäne werden zu Briketts – bis zu 30 t pro Tag – verpresst und über die Baumarktschiene abgesetzt. Weitere Ausbauten bestätigt Reuschl im Moment nicht. „Das Sägewerk hat Priorität.“ Am 40 ha großen Areal samt einer 1 ha großen Erweiterungsfläche gibt es aber auf alle Fälle noch Platz für mögliche Ideen.

Rettenmeier Ramstein

Gründung 2007
Standort Ramstein-Miesenbach/DE
Geschäftsführer Ernst Reuschl
Mitarbeiter 161
Areal 40 ha
Einschnitt 500.000 fm (2011); 600.000 fm (2012)
Holzarten 40% Douglasie, 30% Kiefer, 20% Fichte, 10% Lärche
Hobelware 80.000 m³/J
Briketts 30 t pro Tag
Export asiatischer Raum, Levante, Europa, (Spanien, Frankreich, Benelux, Großbritannien)

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